Man hat sich auf die neue Wohnung gefreut. Schlüssel geholt, Tür aufgemacht – und dann riecht es. Nicht schlimm vielleicht, aber merklich. Irgendwie alt, leicht muffig, schwer einzuordnen. Und man fragt sich sofort: Ist das normal? Ist da Schimmel? Hat der Vormieter irgendetwas hinterlassen?
Diese Situation ist häufiger als man denkt. Und die Antwort auf das „Warum“ ist in den meisten Fällen weniger dramatisch als der erste Moment vermuten lässt.
Warum neue Wohnungen oft so riechen
„Neu“ ist in diesem Fall relativ. Gemeint ist meist: neu für einen selbst. Die Wohnung steht vielleicht seit ein paar Wochen leer, hatte zuvor jahrelang andere Bewohner, andere Gewohnheiten, andere Gerüche. Und all das steckt irgendwie noch drin.
Leerstehende Wohnungen entwickeln schnell einen charakteristischen Geruch – nicht weil etwas falsch ist, sondern weil keine Luftzirkulation stattfindet. Geschlossene Räume ohne Bewohner werden nicht regelmäßig gelüftet, die Luft steht, Feuchtigkeit aus den Wänden und Böden hat nirgendwo hin. Schon nach wenigen Wochen reicht das für diesen typischen, leicht modrigen Grundgeruch.
Dazu kommen Gerüche, die sich über die Zeit der Vormieter in Böden, Wänden und Einbauteilen festgesetzt haben – manchmal Rauch, manchmal Kochen, manchmal schlicht jahrelange Bewohnung.
Wann man sich eher Gedanken machen sollte
Das ist der wichtige Unterschied: Ein leicht alter oder stickiger Geruch in einer frisch leerstehenden Wohnung ist meistens harmlos und verschwindet mit gründlichem Lüften innerhalb weniger Tage.
Anders sieht es aus, wenn der Geruch deutlich modrig oder erdig wirkt, sich trotz intensivem Lüften nicht verbessert, aus einer bestimmten Ecke oder Wand kommt oder an feuchten Flecken, Verfärbungen oder abblätterndem Putz begleitet wird.
In diesen Fällen ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen – besonders hinter Schränken, an Außenwänden und in Badezimmer und Küche. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auch einen Schimmeltest zur Selbstanwendung nutzen, bevor man anfängt, alles einzuräumen.
Was beim Einzug wirklich hilft
Der wichtigste erste Schritt ist konsequentes Durchlüften – und zwar bevor die Möbel rein kommen. Wenn die Wohnung leer ist, lassen sich alle Räume gleichzeitig weit öffnen, Durchzug erzeugen, die Luft komplett austauschen. Das ist mit vollem Hausstand deutlich schwerer.
Ein bis zwei Tage intensive Stoßlüftung vor dem Einzug kann den Grundgeruch einer Leerstandswohnung erheblich verbessern. Wer die Möglichkeit hat, das zu tun, sollte sie nutzen.
Nach dem Einzug weiterhin regelmäßig und konsequent lüften – mindestens zweimal täglich – bis sich die eigene Atmosphäre etabliert hat. Das dauert in der Regel ein bis zwei Wochen.
Böden, Wände und Einbauküchen als Geruchsquellen
Alte Teppichböden sind berüchtigte Geruchsspeicher. Wenn die neue Wohnung noch den Teppich der Vormieter hat, kann genau dort der Großteil des Geruchs herkommen. Gleiches gilt für alte Holzparkettböden, die über Jahre Gerüche aufgenommen haben, oder für Einbauküchen, in denen Fett und Kochdunst tief in die Materialien eingezogen sind.
Eine gründliche Reinigung von Böden, Schrank-Innenflächen und Küchenfronten vor dem Einräumen ist mehr als nur Hygiene – sie beseitigt oft direkt den Hauptteil des Geruchs.
Der Geruch, der einfach nicht weicht
Manchmal hilft all das nicht sofort. Wände, die jahrelang nicht gestrichen wurden, können Gerüche regelrecht gespeichert haben. In solchen Fällen hilft tatsächlich ein frischer Anstrich – nicht aus optischen Gründen, sondern weil neue Farbe eine Barriere zwischen dem alten Material und der Raumluft schafft.
Wer in eine Wohnung mit Parkett oder Laminat einzieht, das deutlich nach Alter oder Modrigem riecht, und das Lüften nichts ändert, sollte auch hier überlegen, ob der Boden vielleicht tatsächlich das Problem ist.
Und dann gibt es noch die Fälle, bei denen der Geruch aus der Wand selbst kommt – feuchte Außenwände, alte Dämmung, Baustoffe, die über Jahrzehnte Feuchtigkeit gezogen haben. Das ist schwerer zu lösen und manchmal ein Gespräch mit dem Vermieter wert.
Der erste Geruch beim Öffnen der neuen Wohnungstür ist kein Urteil über die Wohnung. Er ist meistens nur eine Frage der Zeit – und der richtigen ersten Maßnahmen.
